Rückblick: Zwei Jahre Just Tech Solutions
Im Dezember 2022 haben wir Just Tech Solutions GmbH gegründet. Damals waren wir zu zweit, hatten einen einzigen Kunden und eine vage Vorstellung davon, was es bedeutet, als Service Provider im web3-Bereich zu arbeiten. Heute, zwei Jahre später, ist es Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme. Nicht als Marketingübung, sondern als strukturierte Reflexion darüber, was funktioniert hat, was nicht, und was uns überrascht hat.
Was wir aufgebaut haben
In den ersten sechs Monaten haben wir vor allem eines getan: zugehört. Wir haben mit DAO-Teams gesprochen, ihre Infrastruktur analysiert und verstanden, wo die tatsächlichen Schmerzpunkte liegen. Die meisten DAOs haben kein Problem damit, Smart Contracts zu schreiben. Ihr Problem ist alles drumherum: Hosting, CI/CD-Pipelines, Monitoring, Datenbanken, die Kommunikation zwischen On-Chain- und Off-Chain-Systemen.
Daraus sind unsere drei Kernbereiche entstanden: Infrastruktur-Hosting, individuelle Toolentwicklung und technische Beratung. Das klingt abstrakt, aber konkret bedeutet es zum Beispiel: Wir betreiben Kubernetes-Cluster für DAO-Projekte, wir entwickeln Integrationen zwischen Governance-Systemen und Community-Plattformen, und wir helfen Teams, ihre Architekturentscheidungen zu durchdenken, bevor sie den ersten Commit machen.
Die Meilensteine
Es gibt Momente, die in der Rückschau klar als Wendepunkte erkennbar sind:
März 2023: Unser erster langfristiger Vertrag. Statt Einzelprojekte abzurechnen, konnten wir mit einem DAO-Projekt eine dauerhafte Zusammenarbeit vereinbaren. Das hat unsere Planung grundlegend verändert und uns ermöglicht, in eigene Tools zu investieren.
August 2023: Das Team ist auf vier Personen gewachsen. Mit M.K. als Architect und R.S. im Systems Engineering konnten wir zum ersten Mal komplexe Projekte parallel betreuen. Die Entscheidung, von Anfang an auf spezialisierte Rollen statt auf Generalisten zu setzen, hat sich ausgezahlt.
Januar 2024: Unsere erste Infrastruktur-Migration. Ein DAO-Projekt wechselte von einem klassischen Cloud-Setup zu unserer selbst gehosteten Lösung. Der Prozess war schmerzhaft, lehrreich und am Ende erfolgreich. Wir haben daraus ein wiederverwendbares Migrationsplaybook entwickelt.
Juni 2024: Der Moment, in dem wir zum ersten Mal profitabel waren. Nicht dramatisch, aber nachhaltig. Für ein Unternehmen in einem so jungen Markt ist das ein wichtiger Beweis dafür, dass das Modell funktioniert.
Technologieentscheidungen, die sich ausgezahlt haben
Jede Technologieentscheidung ist eine Wette auf die Zukunft. Einige unserer Wetten sind aufgegangen:
Docker und Kubernetes von Anfang an: Wir haben selbst für kleine Projekte containerisierte Deployments eingesetzt. Das hat anfangs Overhead verursacht, aber als wir skalieren mussten, war die Grundlage da. Heute können wir ein neues DAO-Projekt innerhalb von Stunden in unsere Infrastruktur einbinden.
TypeScript als primäre Sprache: Die web3-Welt ist JavaScript-zentriert. Statt auf exotische Stacks zu setzen, haben wir uns für TypeScript entschieden und das konsequent durchgezogen, vom Frontend über Backend-Services bis zu Deployment-Skripten. Die Einarbeitungszeit für neue Teammitglieder ist dadurch deutlich kürzer.
Fokus auf Off-Chain-Infrastruktur: Viele web3-Firmen konzentrieren sich auf Smart Contracts. Wir haben bewusst den anderen Weg gewählt. Die meisten DAOs brauchen jemanden, der ihre Server am Laufen hält, nicht jemanden, der noch einen Token-Standard erfindet. Diese Nische war weniger glamourös, aber deutlich nachhaltiger.
Was wir anders machen würden
Ein ehrlicher Rückblick muss auch die Fehler benennen:
Zu langes Festhalten an Custom-Lösungen: In den ersten Monaten haben wir für jeden Kunden maßgeschneiderte Tools gebaut. Das war gut für die Kundenbeziehung, aber schlecht für die Wartbarkeit. Wir hätten früher auf modulare, wiederverwendbare Komponenten setzen sollen. Seit Mitte 2024 haben wir das korrigiert, aber die technischen Schulden aus der Anfangszeit beschäftigen uns noch immer.
Dokumentation wurde unterschätzt: Wie vermutlich jedes kleine Tech-Team haben wir Dokumentation als nachrangig behandelt. Das hat uns bei der Einarbeitung neuer Kolleginnen und Kollegen teuer zu stehen bekommen. Heute gilt bei uns: Kein Feature ist fertig ohne Dokumentation. Aber bis wir diese Kultur etabliert haben, hat es fast ein Jahr gedauert.
Der Markt bewegt sich langsamer als erwartet: Wir hatten 2023 mit einem schnelleren Wachstum des DAO-Marktes gerechnet. Die Realität war nüchterner. Viele Projekte, die sich als DAOs bezeichnen, sind operativ noch klassische Teams mit einer Multisig-Wallet. Das hat uns gezwungen, unsere Zielgruppe realistischer zu definieren und auch mit Projekten zu arbeiten, die erst auf dem Weg zu einer echten dezentralen Struktur sind.
Was uns überrascht hat
Die größte Überraschung war, wie wichtig zwischenmenschliche Kommunikation in einem technischen Dienstleistungsunternehmen ist. Wir verkaufen keine Software von der Stange. Wir arbeiten eng mit Teams zusammen, die oft über mehrere Zeitzonen verteilt sind, unterschiedliche kulturelle Hintergründe haben und keine klassische Unternehmenshierarchie kennen. Die Fähigkeit, in asynchroner Kommunikation klar und verbindlich zu sein, ist mindestens so wichtig wie technische Kompetenz.
Überraschend war auch, wie stark der Bedarf an Beratung ist, nicht an Code. Viele unserer wertvollsten Beiträge waren Architektur-Reviews, bei denen wir einem Team erklärt haben, warum sie etwas nicht bauen sollten. In einer Branche, die von Technologiebegeisterung getrieben wird, ist die Fähigkeit zum Nein-Sagen ein echtes Differenzierungsmerkmal.
Wie es weitergeht
Zwei Jahre sind in der Tech-Branche gleichzeitig eine Ewigkeit und ein Wimpernschlag. Wir haben bewiesen, dass es einen Markt für spezialisierte DAO-Infrastrukturdienstleistungen gibt. Wir haben ein Team aufgebaut, das technisch stark und menschlich belastbar ist. Und wir haben gelernt, dass Nachhaltigkeit wichtiger ist als Wachstum um jeden Preis.
Für 2025 konzentrieren wir uns auf drei Bereiche: die Vertiefung unserer Hosting-Infrastruktur, den Ausbau unserer Beratungskompetenz im Bereich Governance-Tooling und den Aufbau eigener Open-Source-Beiträge, die der Community zugutekommen.
An alle, die uns auf diesem Weg begleitet haben, ob als Kunden, Partner oder Wegbegleiter: Danke. Die nächsten zwei Jahre werden mindestens genauso interessant.